Diese Toilette ist für Queers…
…Männer und Frauen bitte andere Toiletten benutzen!
In den Letzten zwei Wochen fanden sich in Rostocks öffentlichen Toiletten viele verwirrte Gesichter. Der Grund dafür war folgendes Anliegen:
Alle müssen es, alle wollen es, alle tun es: aufs Klo gehen. Eine der wenigen natürlichen Selbstverständlichkeiten in einer Welt voller soziokultureller Geschlechtskonstruktionen? Leider nein.
Wenn ein Mensch nicht auf den ersten Blick in die Kategorien Mann/Frau passt, ist der Toilettenbesuch auf einem öffentlichen Abort nicht bloß eine Bagatelle, sondern eine Herausforderung. Egal für welche der beiden Klos mensch sich entscheidet, die Gefahr besteht, skeptisch bis feindselig angeblickt zu werden, einen blöden Spruch zu kassieren, rausgeworfen zu werden oder sogar körperlich angegriffen zu werden.
Das ist ein Problem, das viele Leute gar nicht registrieren. Deshalb wollten wir mit einer Aktion darauf aufmerksam machen, dass die Einteilung der Menschen in Männer und Frauen, und damit die Einteilung von Toiletten in Herren- und Damenklos, Menschen ausschließt oder dazu zwingt sich dem Druck einer zweigeschlechtlichen Gesellschaft zu beugen.
Ein häufiges Argument in der Diskussion um Toiletten ist das Frauenklo als Schutzraum in einer patriarchalen Gesellschaft. Und dieser Einwand hat auch seine Berechtigung. Aber lässt sich das Problem, dass Frauen Betroffene von männlicher Diskriminierung werden, durch diese Zweiteilung lösen? Oder wird es dadurch nur unsichtbar gemacht und/oder auf andere Räume verschoben? Wären Unisextoiletten eine Möglichkeit, diese Probleme sichtbar zu machen? Könnte mensch dadurch nicht ein Bewusstsein dafür schaffen, anstatt davon auszugehen, dass mit der Aufteilung in Männer- und Frauenklos solche Konflikte nicht bestehen?
Mit einer Aktion wollten wir ein Nachdenken und eine Diskussion (am besten vor Ort auf dem Örtchen) anregen. Dazu wurde die Zweiteilung öffentlicher Klos in Rostock (zumindest zeitweise) aufgehoben, indem die Schilder mit Aufklebern überdeckt wurden. Des Weiteren fanden die Klobesucher_innen einen Flyer, der mit folgendem Text ein Nachdenken provozieren sollte:
„Was haben Geschlechterrollen und Klorollen gemeinsam?
Sie sind beide für den Arsch!!
Ist Dir das auch schon mal passiert: Du bist auf Klo und eine Person kommt rein, die scheinbar zu einem anderen Geschlecht gehört. Bist Du verwirrt, erschrocken, verärgert, entzückt? Wie reagierst Du?
Viele Leute glotzen, bringen blöde Sprüche, schmeißen raus, manche werden sogar handgreiflich. Warum denkst Du ist das so?
Kannst Du Dir vorstellen, wie es sich anfühlt, angeglotzt, dumm angemacht oder rausgeworfen zu werden, obwohl Du eigentlich nur auf Toilette musst?
Ist es schlimm, wenn in der abschließbaren Kabine neben Dir ein Mensch anderen Geschlechts ist oder sich neben Dir die Hände wäscht?
Wie wäre es mit Unisex-Klos? Keine lange Schlange vorm Klo, kein Suchen nach dem „richtigen“ Klo und freier Zugang für alle zu Kondomen, Wickeltischen, Tampons und Klosprüchen.
Deshalb: Unisex-Klos!!
queerforum rostock
