Von Sexistischer Moppelkotze zum Queercore-Kontinuum

•Mai 29, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Am 14. Mai gestaltete das queerforum eine Infoveranstaltung im Rahmen der Politischen Donnerstage von Soziale Bildung e.V. zur Thematik Geschlecht und Populärmusik. Musikvideos und -Texte wurden hier unter die Homophobie- und Sexismuslupe genommen. Dabei wurde schnell klar, dass Frauenfeindlichkeit, Mackergehabe, Homophobie und normierte Vorstellungen von Körpern kein exklusives Problem der Hip Hop Kultur sind, sondern zahlreiche Musikgenres durchziehen.

Was können wir jedoch tun, bzw. hören, wenn wir keinen Bock mehr auf sexistische Moppelkotze haben?

Neben möglichen Alternativen aus den Bereichen Rock, Pop, Reggae und Hip Hop wurden die Phänomene Riot Grrrl und Queercore vorgestellt und in ihren entstehungsgeschichtlichen Kontext eingeordnet.

Für alle die nicht dabei sein könnten, oder die nochmal nachschlagen wollen, haben wir hier eine Liste mit queeren Alternativen zum sexistischen Mainstream zusammengestellt:

  • Clawfinger – Find The Faggot
  • Früchte Des Zorns – Mein Schönstes Kleid
  • Conéxion Musical – Aprution/Abbruch
  • Ani DiFranco – In Or Out
  • Chaoz One – Wir Kriegen Euch
  • Gerhard Schöne – Ein Junge Weint Nicht
  • Rufus Wainwright – Gay Messiah
  • Alix Olson – Armpit Hair
  • Athens Boys Choir – Fagette
  • The Slits – Typical Girls
  • Bettina Wegner – Ach Wenn Ich Doch Als Mann Auf Diese Welt Gekommen Wär
  • Funny van Dannen – Anita War Ein Junge
  • Disposable Heroes Of Hiphoprisy – Language Of Violence
  • Team Gina – Butch/Femme
  • Andrea Gibson – Andrew
  • Northern State – Sucker Mofo
  • Bikini Kill – Rebel Girl
  • Bronski Beat – Smalltown Boy
  • Limp Wrist – Just Like You
  • The Kinks – Lola
  • Anthony & The Johnsons – For Today I Am A Boy
  • Ursula Rucker – What A Woman Must Do
  • The Rubettes – Under One Roof
  • Los Fastidios – Jonny And The Queer Boot Boys
  • Morrissey – I Am Hated For Loving
  • Tom Robinson – Glad To Be Gay
  • Dolly Parton – 9 To 5
  • Lily Allen – Fuck You

Was?!? Dein allerliebster antisexistischer Song ist nicht dabei? Dann hinterlass uns doch einen Kommentar.

Poppen, Rocken und queer sein…

•Februar 14, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

… und das alles am Besten laut!!!

uschiii

Demnächst gibt’s von uns mal wieder einen Politischen Donnerstag im Peter-Weiss-Haus. Wir haben uns ein wenig mit Gender-Themen und Sexismus in der Populärmusik auseinandergesetzt. Es sollen Songs gespielt und Videos gezeigt werden, an denen mensch nachvollziehen kann, wie Sex und Gender im Mainstream dargestellt werden. Gleichzeitig wollen wir euch charmante Alternativen aufzeigen.

Wenn ihr meint, ein bestimmter Song oder ein bestimmtes Video darf nicht fehlen (weils besonders toll oder doof ist), dann hinterlasst uns doch einen Kommentar.

Wie gewohnt gibt es ab 19.30 Uhr lecker vegan-vegetarische VoKü und um 20.00 Uhr beginnt die Veranstaltung.

Diese Toilette ist für Queers…

•Februar 14, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

…Männer und Frauen bitte andere Toiletten benutzen!

In den Letzten zwei Wochen fanden sich in Rostocks öffentlichen Toiletten viele verwirrte Gesichter. Der Grund dafür war folgendes Anliegen:

Alle müssen es, alle wollen es, alle tun es: aufs Klo gehen. Eine der wenigen natürlichen Selbstverständlichkeiten in einer Welt voller soziokultureller Geschlechtskonstruktionen? Leider nein.

Wenn ein Mensch nicht auf den ersten Blick in die Kategorien Mann/Frau passt, ist der Toilettenbesuch auf einem öffentlichen Abort nicht bloß eine Bagatelle, sondern eine Herausforderung. Egal für welche der beiden Klos mensch sich entscheidet, die Gefahr besteht, skeptisch bis feindselig angeblickt zu werden, einen blöden Spruch zu kassieren, rausgeworfen zu werden oder sogar körperlich angegriffen zu werden.

Das ist ein Problem, das viele Leute gar nicht registrieren. Deshalb wollten wir mit einer Aktion darauf aufmerksam machen, dass die Einteilung der Menschen in Männer und Frauen, und damit die Einteilung von Toiletten in Herren- und Damenklos, Menschen ausschließt oder dazu zwingt sich dem Druck einer zweigeschlechtlichen Gesellschaft zu beugen.

Ein häufiges Argument in der Diskussion um Toiletten ist das Frauenklo als Schutzraum in einer patriarchalen Gesellschaft. Und dieser Einwand hat auch seine Berechtigung. Aber lässt sich das Problem, dass Frauen Betroffene von männlicher Diskriminierung werden, durch diese Zweiteilung lösen? Oder wird es dadurch nur unsichtbar gemacht und/oder auf andere Räume verschoben? Wären Unisextoiletten eine Möglichkeit, diese Probleme sichtbar zu machen? Könnte mensch dadurch nicht ein Bewusstsein dafür schaffen, anstatt davon auszugehen, dass mit der Aufteilung in Männer- und Frauenklos solche Konflikte nicht bestehen?

Mit einer Aktion wollten wir ein Nachdenken und eine Diskussion (am besten vor Ort auf dem Örtchen) anregen. Dazu wurde die Zweiteilung öffentlicher Klos in Rostock (zumindest zeitweise) aufgehoben, indem die Schilder mit Aufklebern überdeckt wurden. Des Weiteren fanden die Klobesucher_innen einen Flyer, der mit folgendem Text ein Nachdenken provozieren sollte:

„Was haben Geschlechterrollen und Klorollen gemeinsam?

Sie sind beide für den Arsch!!

Ist Dir das auch schon mal passiert: Du bist auf Klo und eine Person kommt rein, die scheinbar zu einem anderen Geschlecht gehört. Bist Du verwirrt, erschrocken, verärgert, entzückt? Wie reagierst Du?

Viele Leute glotzen, bringen blöde Sprüche, schmeißen raus, manche werden sogar handgreiflich. Warum denkst Du ist das so?

Kannst Du Dir vorstellen, wie es sich anfühlt, angeglotzt, dumm angemacht oder rausgeworfen zu werden, obwohl Du eigentlich nur auf Toilette musst?

Ist es schlimm, wenn in der abschließbaren Kabine neben Dir ein Mensch anderen Geschlechts ist oder sich neben Dir die Hände wäscht?

Wie wäre es mit Unisex-Klos? Keine lange Schlange vorm Klo, kein Suchen nach dem „richtigen“ Klo und freier Zugang für alle zu Kondomen, Wickeltischen, Tampons und Klosprüchen.

Deshalb: Unisex-Klos!!

queerforum rostockklokleber

Reclaim the CSD!

•Februar 14, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

csdLetztes Jahr war das queerforum beim jährlichen CSD in Rostock mit einer Aktion präsent. Anlass dafür waren homophobe Schmierereien am Postgebäude am Neuen Markt. Der folgende Artikel von indymedia fasst die Ereignisse zusammen:

Naziparolen zum CSD – und keinen stört’s? Uns schon.

Am 28. Juni 1969 kam es in der Christopher Street in der Bar Stonewall Inn, einem bekannten Treff von Schwulen, Lesben, Transgendern und Freund_innen, zu dem ersten öffentlichen Aufstand von Homosexuellen. Anlass gaben brutale Polizeirazzien, bei denen Personalien festgestellt und auch veröffentlicht wurden. Das betriebene „Zwangsouting“ konnte fatale Folgen für die Betroffenen haben. Oft wurden die festgenommenen Menschen auf den Polizeiwachen erniedrigt und vergewaltigt (Siehe dazu Leslie Feinberg’s autobiographischen Roman „Stone Butch Blues“). Gegen diese Unterdrückung setzten sich die Besucher_innen des Stonewall Inn zur Wehr und vertrieben die Polizei gewaltsam aus ihrem Lokal. Dieses Ereignis markiert den Beginn der Gay Liberation. Die Geschichte des CSD ist damit eine Geschichte des Widerstandes gegen die Unterdrückung und institutionalisierte Diskriminierung.

Dass noch immer das Eintreten für die Rechte sog. sexueller „Minderheiten“ notwendig ist, zeigte sich am 19. Juli in Rostock deutlich. In der Nacht vor der geplanten CSD-Parade haben Personen aus dem rechtsextremen Milieu (Laut altermedia zeichnete sich die Gruppe „Nationale Sozialisten Rostock“ für die Schmierereinen verantwortlich. Siehe dazu: http://de.altermedia.info/, 21.7.2008 ) das alte Postgebäude am Neuen Markt mit Nazi-Parolen beschmiert. So fanden sich an den Wänden Schriftzüge und Schablonen mit Aussagen wie: „Fuck CSD“, „IHR die Perversion der Gesellschaft“, „Schwul abnormal“, „Nationale gegen diese Gesellschaft“ und „Therapie gegen Heterophobie“.

Wir, das queerforum Rostock, wollten diesen homophoben Beschimpfungen, die einen klaren Angriff auf den CSD und dessen Teilnehmer_innen darstellen, nicht unkommentiert stehenlassen.

Daher haben wir in einer inszenierten Aufräumaktion die Schmierereien am Postgebäude mit Plakaten, Transparenten und Papierbahnen überklebt. Die Papierbahnen wurden zudem mit Statements gegen Homophobie und Nationalismus versehen. Außerdem wurde entlang der Post eine Gedenkmeile errichtet, an der wir auf Gewalt und Diskriminierungen gegenüber queeren Menschen aufmerksam gemacht haben. Dabei handelte es sich z.B. um den erst kürzlichen Überfall auf Besucher_innen des Drag-Festivals in Berlin und den Mord an Brandon Teena, einem Transgender aus den USA/Nebraska.

Wenn Lesben, Schwule, Transgender, Bi- und Intersexuelle und ihre Freund_innen gemeinsam auf die Straße gehen, bedeutet das noch immer auch den Kampf um politische Akzeptanz und sexuelle Befreiung, wie zuletzt gesehen in Budapest. Dennoch sind wir der Ansicht, dass der CSD in den letzten Jahren hierzulande stark kommerziell unterwandert wurde. Der politische Anspruch der Parade scheint leider in den Hintergrund geraten zu sein, sodass sich der CSD in eine große Partysause gewandelt hat.

Das queerforum möchte wieder verstärkt den politischen Anspruch in die Veranstaltung hineintragen. Mit einem klanggewaltigen Bollerwagen haben wir uns mit auf die Strecke der Parade begeben und Infomaterialien an Passanten und Teilnehmer_innen verteilt. Diese Flyer thematisierten Diskriminierungen innerhalb der queeren Szene, übten Kritik an der (Homo-) Ehe, den staatlichen (Finanz-) Privilegien und Entscheidungsvollmachten, die lediglich auf zwei Menschen begrenzt werden. Auch wurde über den Veranstaltungort der offiziellen CSD-Abschlussparty im Moya aufgeklärt. Auf diesem Flyer standen Fakten über den Besitzer des Clubs (ehemaliges Vorstandsmitglied der Jungen Union) und vergangene Veranstaltungen (Lesung von Eva Herman, geplantes Konzert der Band Kategorie C). Es wurde somit darauf hingewiesen, dass in diesem Club Menschen eine Plattform geboten wird, die konträr zu queeren Lebensweisen stehen.

Insbesondere die Moya-Flyer verärgerten einige Teilnehmer_innen, die diese vermutlich auch auf sich bezogen. Beim Verteilen wurde jemensch von uns von einer aufgebrachten Person aufgehalten, die die Flyer beschlagnahmen wollte und meinte, der Inhalt wäre eine große Unverschämtheit (O-Ton: „große Scheiße“). Die Frage, was daran so unverschämt sei und ob der Flyer etwa Unwahrheiten enthielte, konnte die Person jedoch nicht beantworten. Sie beschränkte sich lediglich darauf, verbal ausfallend und attackierend aufzutreten. So wurde gefordert, sich sofort zu „verpissen“ und wenn das nicht geschehe, würde die Person dafür sorgen.

Währenddessen kam es zu Auseinandersetzungen mit der CSD-Orga. Entgegen vorheriger Absprachen mit der CSD-Leitung und deren Einverständnis mit dem Verdecken der Schmierereien wurden wir von einem Mitglied der CSD-Orga strikt aufgefordert, unsere Gedenkmeile sowie die Plakate sofort zu entfernen. Dies geschah aufgrund der Beschwerde feiernder CSD-Teilnehmer_innen, die sich durch uns gestört fühlten. Weder konnte uns erklärt werden, wodurch sich diese Menschen angegriffen fühlten, noch wurde uns die Möglichkeit gegeben, uns zu womöglichen Missverständnissen öffentlich zu äußern. Sein Angebot an uns beschränkte sich lediglich darauf, dass wir uns nach dem Entfernen unserer Plakate, Banner und Gedenkmeile zum Feiern in das CSD-Fest gern mit einreihen könnten.

Es folgte ein Gespräch mit einem Vertreter des Ordnungsamtes, der uns der Sachbeschädigung beschuldigen wollte. Die nun auch erschienene CSD-Leitung trat uns gegenüber versöhnlicher auf und lenkte hier ein. Es musste eingesehen werden, dass die Plakate rückstandslos entfernt werden können und menschenverachtende Parolen hiermit verdeckt wurden.

Unsere Aktion musste also anerkannt werden, auch wenn wir dennoch nicht unbedingt das Gefühl hatten, erwünscht zu sein. Dennoch sollten wir den Weg neben der Postfiliale freimachen, da dies nicht mehr mit zum Veranstaltungsgelände gehöre. Letztendlich konnten wir uns auf ein Verschieben unseres Standortes einigen und auf friedliche Weise einen Konsens finden. Die Gedenkmeile wurde also auf dem Veranstaltungsgelände neu errichtet. Leider fühlten sich abermals einige Teilnehmer_innen durch unsere Aktion gestört. So kam es dazu, dass Leute unser „Queers gegen nationale Kackscheiße“-Transpi zerrissen, dass über einer der Nazi-Parolen hing. Ebenso wurden Teile der Gedenkmeile beschädigt.

Jedoch fanden wir auch Zuspruch. Teilnehmer_innen des CSD wollten sich eines unserer Transparente („Küche, Ehe Vaterland – Unsere Antwort: Widerstand“) ausleihen, um es vor die Bühne zu tragen, während dort das Lied „Lass die Sonne in dein Herz“ geträllert wurde. Nach famosen 20 Sekunden öffentlicher Rezeption wurde das Transpi durch die Security eingezogen.

Fazit: Viele Menschen haben äußerst positiv auf unsere Aktionen reagiert. Dennoch hatten wir letztlich das Gefühl, eher geduldet als ein Bestandteil der Veranstaltung gewesen zu sein. Besonders positiv war auch, dass Radio-Lohro uns spontan vor Ort die Möglichkeit gab, durch ein Live-Interview kritische Positionen äußern zu können. Generell entstand der Eindruck, dass unser politisches Engagement eher negativ aufgenommen wurde und sich die Teilnehmenden dadurch beim Partymachen gestört fühlten.
Daher bleibt die Politisierung dieser Veranstaltung besonders wichtig. Ursprünglich als Zeichen des Widerstandes von marginalisierten Gruppen ist der CSD kein ausschließliches Party-Event.

Des Weiteren wurde gegen 20.45 Uhr eine Gruppe von ca. 8-10 Nazis (Thor Steinar-Klamotten, Autonomen-Look) beobachtet, wie sie aus der Richtung des Hotel Sonne auf den CSD zugegangen sind. Dabei entfernten sie alle Plakate, mit denen die nationalen Parolen an der Post überdeckt waren. Weder die Polizei, noch die Besucher_innen des CSDs störten sich daran und ließen zu, dass die Nazis ihre menschenfeindliche Ideologie zur Schau stellen konnten. Diese schlenderten daraufhin druch die Kröpeliner Straße, wo sie irgendwann wieder kehrt machten und sich auf den CSD zubewegten. Dabei verteilten sie NDP-Aufkleber an den Laternenpfosten, die jedoch kurz darauf wieder entfernt wurden.

We’re here – we’re queer – we’re fabulous – don’t mess with us!
Reclaim the CSD!!!

QUEERFORUM ROSTOCK

queerforum is not dead

•Januar 17, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Der queere Blog war zwar einige Zeit aus den Augen, aber sicher nicht aus dem Sinn.

Seit dem letzten Update ist einige Zeit vergangen. Auch wenn es so aussieht, untätig waren wir nicht. Einige Transparente haben wir verloren, liebe neue Menschen dazugewonnen, wir waren konstruktiv und destruktiv, manchmal auch konstruktiv destruktiv. Wir haben lange Reisen mit Umwegen bewältigt, wo das Horster Dreieck viel mehr wie die Fehmarnsundbrücke aussah. Und wir sind noch lange nicht am Ziel.

Die Pläne sind geschmiedet und die Stullen sind geschmiert.

kucheUnd bald gibt es auch hier wieder reichlich queeres Potenzial zu bestaunen.

Verkleidungsaktion am Brunnen der Lebensfreude

•Februar 12, 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Brunnenaktion

 
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